Ich vermisse dich

Ich vermisse dich

Kein erfundener Text, nein, ein reales Erlebnis.

Mein Bruder wurde unerwartet aus dem Leben gerissen.

Krebs.

Er wollte bleiben, aber irgendwie auch nicht.

Er bat die Ältesten der Gemeinde für ihn zu beten. Er wollte gesund werden. Aber er hatte auch panische Angst vor dem Leid, dass diese Erkrankung mit sich bringen kann. Eine grausame Zerreißprobe zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Leben und Tod. Plötzlich ist all das, was wichtig
war bedeutungslos, all das, was zählte ist nichts mehr wert. Die Zeit rinnt wie Sand zwischen die
Finger, man kann sie nicht halten. Man kann nichts mehr tun.

Die Verlängerung des Lebens kann man nicht kaufen.

 

Das moderne Leben ist von Flexibiltät, vollen Terminkalendern und Reisen geprägt, beruflich wie privat. Zwischen unseren Wohnorten lag eine Distanz von 70 km. Wir haben uns aus den Augen verloren. Wir haben uns verloren. Eine wertvolle Beziehung.

Als unsere Mama schwer erkrankte und ich sie pflegte, fuhr ich hin und wieder mit Mama zu ihm, damit sie sich sehen konnten. Ab und zu kam er zu uns. Die Beziehung begann erneut zu blühen.
Es war schön wieder Verbindung zu haben, auch zu seiner zweiten Frau, doch es war schwer diese zu halten. Das fortschreitende Alter unserer Mama brachte auch einen intensiveren zeitlichen Einsatz zu ihren Gunsten mit sich. Sie wohnte bei uns, war völlig auf Hilfe angewiesen, brauchte den Rollstuhl.

Kurz nach der Hochzeit seiner Tochter erhielt die Diagnose Krebs. Er hatte bereits gestreut.
Er war so verzweifelt. Er war so tapfer.

Es erfüllt mich immer noch mit großer Traurigkeit, dass ich nicht für ihn da sein konnte. Er wollte reden, er wollte beten… Die Räumliche Distanz war durch seinen Klinikaufenthalt auf 100 km gewachsen und ich konnte Mama nicht mehr allein lassen. Es war grausam.

Seine Panik. Seine Verzweiflung. Seine Hilflosigkeit. Seine Einsamkeit. Es schnürt mir die Kehle zu,
wenn ich daran denke. Er ging allein, es war kein Mensch an seiner Seite. Doch Engel haben ihn
umgeben und nach Hause begleitet.

Ich vermisse ihn.

Ich vermisse ihn und Mama, sie starb 6 Monate später. Sie ertrug den Schmerz nicht, dass ihr Sohn
vor ihr gehen musste. Sie war müde vom Kämpfen, sie konnte nicht mehr. Ihr Leben war von Leid und Entbehrung geprägt.

Mein Trost: Ich werde beide wiedersehen. Die Trennung durch den Tod ist nicht für immer, denn sondern das Leben der Seele ist ewig.

Das Auferstehungsversprechen: Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung, und ich bin das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Joh 11,25 HFA) Dies ist die theologische Grundlage für ein Leben nach dem Tod. – Dies gilt für diejenigen, die an Jesus glauben.



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